Shuttle SB65G2 Barebone
Kompakte Systeme, sogenannte Barebones, gewinnen seit einiger Zeit massiv an Beliebtheit, da die Hersteller endlich auch aktuelle Chipsätze in diese Mini-Systeme verbauen. Zum Test hat sich bei uns der Shuttle SB65G2 eingefunden.
Veröffentlicht am 03. März 2004 von Moritz.
- Einleitung
- Spezifikationen / Lieferumfang
- Design / Ausstattung (1)
- Design / Ausstattung (2) / Komponenten
- Kapazitäten
- (De-)Montage
- Shuttle FB65 Mainboard
- BIOS
- Testsystem
- Benchmark: Onboard-Sound-Chip
- Spiele: Quake 3, Comanche 4, UT 2004
- Rendering: Cinebench 2003, SpecviewPerf
- SiSoft Sandra, DroneZmark
- Overclocking
- Fazit
Einleitung
Auf der CeBIT 2003 erregten die sogenannten "Barebones" (zu deutsch: "nackter Knochen") großes Aufsehen. Vor allem der Stand von Hersteller Shuttle fiel durch eine Wand dieser Kompakt-Systeme auf. Früher waren die Barbones jedoch eher die stillen Wohnzimmer-PCs mit geringer CPU-Leistung und meist integrierten, für aktuelle Spiele nicht ausreichenden Grafikchips. Seitdem sich jedoch die Dual-Channel-Chipsätze im Mainboard-Bereich immer größerer Beliebtheit erfreuen ließ es sich Shuttle nicht nehmen, auch für diesen Bereich Barebones zu entwickeln.
Mittlerweile gibt es eine Reihe von Highend-Barebones mit Chipsätzen für die gängigen CPUs. Wir schauen uns heute einen dieser Kraftzwerge an, den SB65G2 von Shuttle mit Intel-I865PE-Springdale-Chipsatz und Dual-DDR-Speicherinterface. Interessant gestaltet sich vor allem die Kühlung und die Frage, ob es bei so kleinen Cases noch möglich ist gut zu übertakten, wozu der Springdale- und Canterwood-Chipsatz quasi einladen. In vielen Foren konnte man von Taktraten des FSBs weit über 250 MHz lesen.
Nun geht es aber los, wir schauen uns erstmal das Design, den Lieferumfang sowie die Funktionalität an. Danach beschäftigen wir uns mit dem Herz des SB65G2, dem Shuttle-FB65-Mainboard, sowie mit dem dessen BIOS und der Übertaktung.
Spezifikationen / Lieferumfang
Wir ziehen die Angabe der Spezifikationen, die normalweise erst im Abschnitt des Mainboards an der Reihe ist, etwas vor, da Barebones nicht nur durch ihre Mainboards spezifiziert werden können.
Spezifikationen
- Chipsatz: Intel 865PE/ICH5
- Systemtakt: 400/533/800 MHz (keine Unterstützung von P4-CPUs mit Willamette-Kern!)
- RAM: PC 2100 | PC 2700 | PC 3200
- Steckplätze: 1x AGP (8x) | 1x 32 Bit PCI
- Controller: 2x IDE ATA 100 (max. 4 Laufwerke) | 2x SATA 150 RAID Controller
- Netzwerk: Realtek 8100B Chipsatz für 10/100 Mbit RJ45-LAN | Shuttle 54 Mbit/s WLAN-Dongle 802.11b
- Firewire: Via VT 6307-1394a
- Sound: Realtek ALC650 on-board, AC97 2.2 6-Kanal-Sound
Lieferumfang
Shuttle liefert seine Barebones so aus, dass zur Inbetriebnahme nur noch Eingabegeräte, CPU, RAM und optional eine Grafikkarte fehlen. Geliefert wird das Gehäuse mit schon eingebautem Mainboard und eingebauter Heatpipe zur Kühlung der CPU. Des Weiteren legt Shuttle Kabel in Sondergrößen bei, die speziell auf das Verlegen in dem Mini-Gehäuse angepasst sind. Hier nun aber die komplette Liste der mitgelierten Artikel:
- Gehäuse inkl. FB65-Mainboard und 220 W-Netzteil
- I.C.E. Heatpipe
- Anleitungen für Mainboard, Gehäuse und WLAN-Adapter
- Treiber- und Installations-CDs für Mainboard und WLAN
- 2x IDE-Kabel | 1x SATA-Kabel | Netzkabel (230 V)
- Befestigungmaterial | 2x Standfüsse
Das System ist bei Lieferung also schon fast anschlussfähig. Der Einbau ist etwas kniffelig, dazu kommen wir aber später noch.
Design / Ausstattung (1)
Das in Schwarz gehaltene Gehäuse des SB65G2 wirkt schlicht und edel zugleich. Es ist zum großen Teil aus Aluminium gefertigt, was dem Barebone bei Lieferung ein sehr niedriges Gewicht von 4,78 kg beschert. Das geringe Gewicht und die kompakten Maße laden gerade zu ein, sich den Barebone samt TFT in einen Rucksack zu packen und spontan auf eine LAN-Party zu fahren.
Kommen wir aber zurück zum Hauptbestandteil des Gehäuses, dem Aluminium. Sowohl die Blende als auch der Deckel bestehen aus einer gebürsteten Variante dieses leichten Rohstoffes. Was früher nur von Lian Li-Towern bekannt war, nämlich edel gebürstetes Aluminium, wird hier fortgesetzt. Die Inbusschrauben, mit denen die Frontplatte fixiert ist, runden den Anblick ab. Am besten sieht es hier natürlich aus, wenn man schwarz lackierte Laufwerke einsetzt, oder aber auch einen sogenannten "Stealth-Mod", bei dem die vorhandenen Schachtabdeckungen vor die Laufwerke geklebt werden, durchführt.
Der Power- und der Resetknopf an der Vorderseite reihen sich in das Bild ein, wirken beim Betätigen aber leider etwas billig. Vielleicht setzt Shuttle ja in Zukunft noch etwas mehr Exklusivität als Maßstab an und verpasst den neuen Modellen die hochwertigen Taster aus dem Hause Bulgin.
Kommen wir nun zu den Anschlüssen auf der Vorder- und Rückseite. An der Front befinden sich zwei USB 2.0-, ein 4-poliger Firewire- und jeweils ein Anschluss für Mikrofon, Line-Out und Kopfhörer. Diese Auswahl lässt nichts zu Wünschen übrig, lediglich Camcorder-Besitzer, die einen 6-poligen Firewire-Anschluss benötigen, müssen auf den auf der Rückseite ausweichen.
Bleiben wir gleich bei der Rückseite und gucken uns an, was dort für Anschlüsse verbaut sind. Ganz rechts sieht man als erstes die beiden Slots für die eingesetzte AGP- und/oder PCI-Karte. Direkt über den beiden Slots finden sich zwei optische, digitale Audio-Anschlüsse. Jeweils einer dient als Ausgang und einer als Eingang. Hierbei hat Shuttle also vorwiegend an die Benutzer hochwertiger Heimkino-Anlagen gedacht, was positiv zu vermerken ist.
Weiter zur Mitte finden wir Anschlüsse, die fast jedes aktuelle Mainboard besitzt: Onboard 10/100 Mbit RJ45-LAN-Anschluss, zudem noch vier USB 2.0-Ports. Gespart hat Shuttle bei den "alten" Anschlüssen: Es befinden sich nur ein serieller Port (COM), jedoch kein paralleler Druckerport (LPT) auf dem Mainboard. Das ist jedoch keineswegs ein Manko; ich für meinen Teil dachte mir beim Testen: "Endlich hat ein Hersteller mal den mittlerweile überflüssigen Druckerport weggelassen." Zu diesem sei jedoch gesagt, dass man ihn nachrüsten kann; Shuttle bietet ihn als Mainboardzubehör an. Vergessen darf man auch nicht die PS/2-Buchsen für Tastatur und Maus, die in Zeiten von Bluetooth und USB sicherlich nicht mehr allzu lange gebraucht werden.
Mit am interessantesten ist sicherlich die sich auf der linken Seite befindliche WLAN-Antenne bzw. deren Anschluss und die rechts oben positionierten SPDIF-IN und SPDIF-OUT.
Die äußeren Werte kennen wir nun, wie aber gestaltet sich der Zusammenbau und wie schaut es mit den inneren Werten des Kraftzwerges aus, die letztendlich den Ausschlag geben? Weiter geht es auf der nächsten Seite erstmal mit den inneren Komponenten.
Design / Ausstattung (2) / Komponenten
Im Inneren des Gehäuses befindet sich das auf der Unterseite fixierte Mainboard, das Shuttle FB65. Auf die Details des Boards gehen wir aber erst später ein, in diesem Abschnitt des Tests sind für uns nur die an das Mainboard angeschlossenen Komponenten interessant.
Beim Öffnen des Gehäuses fällt einem als erstes der ziemlich große CPU-Kühler auf, der aus zwei Kühlblöcken besteht, die mit drei Heatpipes miteinander verbunden sind. Diesen Kühler nennt Shuttle "I.C.E." (Integrated Cooling Engine).
Der erste der beiden Kühlkörper ist aus Aluminium mit einer integrierten Kupferplatte, die die Wärmeabfuhr verbessert. Abgeführt wird die Wärme jedoch über die drei anliegenden Heatpipes zu der zweiten Kühleinheit. Diese besteht aus Alu-Lamellen, die von der Heatpipe durchzogen sind. Dieser Teil des Kühlers ist von innen an die Rückseite des Gehäuses mit Hilfe einer kombinierten Lüfter-Kühlerhalterung geschraubt. In dieser kleinen Box aus Aluminium wird zudem noch der Lüfter montiert, der die Luft nach aussen transportiert. Fixiert wird der Kühlkörper auf der CPU mit Hilfe einer Vier-Punkt-Halterung, welche auf dem Retention-Modul befestigt wird. Als Lüfter kommt der Sunon KD1208PTB1 zum Einsatz, der von dem internen Shuttle-Lüfter-Management zudem geregelt wird. Leider ist er trotzdem noch so laut, dass er für's Wohnzimmer untauglich wäre. Laut der Homepage von Sunon ist der Lüfter mit 34 dBA spezifiziert. Ein Lüfterwechsel ist jedoch ziemlich einfach, wir werden in unseren Modding-Empfehlungen noch darauf eingehen. Die I865PE-Northbridge hingegen wird passiv gekühlt, was positiv zu bemerken ist. Der Temperatur des Chips kommt dieses natürlich nicht zu Gute, jedoch liegen diese noch im Rahmen des Akzeptablen.
Als nächstes schauen wir uns das verbaute Netzteil an. Es handelt sich hierbei um die drittstärkste Variante im Bereich der von Shuttle eingesetzten Netzteile. Mit angegebenen 220 W scheint es etwas zu schwach für aktuelle Systeme, denn für diese werden Netzteile ab 300 W und stärker empfohlen. Wie jedoch aus zahlreichen Tests bekannt ist, schmücken die Hersteller ihre Netzteile häufig mit fremden Federn indem sie utopische und für die Netzteile nie erreichbare Leistungen angeben. Dass man hier jedoch genauer hinschauen sollte zeigt nicht zu Unrecht ein Test von Tom's Hardware Guide. Als unerfahrener Benutzer sollte man vor allem einen Blick auf die "Combined Power" werfen. Hierbei wartet das Shuttle Netzteil mit 80 W auf, ein eigentlich ziemlich niedriger Wert. Im Betrieb konnten wir es jedoch nie in die Knie zwingen. Das spricht für die hohe Qualität des Shuttle-Netzteils.
An Anschlüssen finden sich vier Molex-, zwei Floppy-, ein SATA- sowie der normale ATX-Stromstecker und der P4-Stecker für die 12 V-Leitung. Die Kabellänge ist ausreichend dimensioniert und reicht auch aus um die Kabel in den Querstreben des Grundgerüsts verschwinden zu lassen.
Kommen wir aber nun zu etwas sehr wichtigem, der Lautstärke. Die zwei verbauten 40 mm-Lüfter sind leider extrem nervig - vor allem dann, wenn der XPC unter Volllast läuft. Hier besteht eindeutig Handlungsbedarf. Moddingmöglichkeiten dazu findet man auch hierfür in unserem Artikel Flüsterleiser Barebone.
Hinter der Front des Barebones finden wir eine weitere Platine. Diese ist sowohl für die USB 2.0- als auch für die Firewire- und Audioanschlüsse an der Front zuständig. Verbindung zum Mainboard erhält die Platine über zwei Kabelbündel wie man sie von USB-Slotblenden kennt. Leider sind diese Kabelbündel dem Luftfluss im Gehäuse nicht förderlich sondern etwas starr und nicht sehr leicht zu verlegen. Die Platine hat jedoch noch eine weitere Aufgabe. Normalweise ist es möglich, acht USB 2.0-Anschlüsse über das Mainboard anzusteuern. Im SB65G2 werden aber nur sechs (vier hinten und zwei an der Front) angesteuert. Über die beiden ungenutzten Ports wird das WLAN-Dongle angeschlossen. Es befindet sich an der rechten Seite und ist dort an die Platine angebunden. Da USB 2.0 mit 480 Mbits/s spezifiziert ist, hat es auch keinerlei Probleme, den Datentransfer des WLAN-Dongles von 54 Mbit/s zu meistern (wobei immer noch fraglich ist, ob die 54 Mbit/s Brutto auch nachher 54 Mbit/s Netto betragen).
Kapazitäten
Kommen wir nun zu einem wichtigen Abschnitt in unserem Test, dem Zusammenbau. Bei einem so kleinen Case ist die Frage nach der Kapazität nicht unberechtigt. Rein von den Angaben des Herstellers her lässt sich die Kapazität wie folgt bestimmen:
- eine AGP-Karte
- eine PCI-Karte
- ein internes 3,5"-Laufwerk
- ein externes 3,5"-Laufwerk
- ein externes 5,25"-Laufwerk
- maximal zwei RAM-Module
Hier sieht man klar die Beschränkungen, die einem durch Benutzung eines Barebone-Systems auferlegt sind. Aber immerhin wäre hier ein RAID-0-System denkbar (mit dem benötigten Controller), wenn man auf den externen 3,5"-Schacht verzichtet. Lediglich die Hitzeabgabe der in diesem Fall übereinander montierten Festplatten macht dabei etwas Probleme.
Bei dem 5,25"-Laufwerk werden sich viele Nutzer wohl für den Einbau eines DVD-Brenners entscheiden, die in letzter Zeit stark im Preis gefallen sind. Einzig die Farbe schränkt die Kaufentscheidung etwas ein, möchte man das schwarze Desgin erhalten. Viele Hersteller bieten jedoch ihre Laufwerke auch in Schwarz an.
Durch den geringen Platz im SB65G2 sind nicht wie üblicherweise vier, sondern nur zwei RAM-Bänke zum Einsatz gekommen.
Bei den Steckkarten gibt es ebenfalls ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Einige moderne Grafikkarten haben einen voluminöses Kühlsystem, das meist so groß ist, dass es über den Rand des Gehäuses heraus ragt. Hier hilft nur eins: einen anderen Kühlkörper montieren oder auf eine andere Grafikkarte umschwenken. Zudem dürfen die PCI-Karten eine bestimmte Länge nicht überschreiten, da sie sonst den Festplatten in die Quere kommen.
(De-)Montage
Schauen wir uns nun einmal die Demontage der einzelnen Komponenten an. Das Gehäuse wird durch Lösen der drei Rändelschrauben am Rand der Rückseite und Demontage des Gehäusedeckels geöffnet. Um überhaupt an den CPU-Sockel zu gelangen muss als allererstes der Laufwerkskäfig heraus genommen werden. Dazu löst man die beiden Schrauben, mit denen der Käfig fixiert ist. Nach dem Entfernen der Schrauben muss man den Käfig nur ein kleines Stück nach hinten ziehen und kann ihn dann entnehmen. Das funktioniert auch noch mit einem eingebauten 5,25"-Laufwerk.
Nun kann man durch Lösen der Rändelschrauben an der Rückseite des Gehäuses die Halterung des CPU-Lüfters entfernen und anschließend die Heatpipe entnehmen. Jetzt hat man Zugriff auf alle wichtigen Elemente. RAM und CPU können nun eingebaut werden. Die Montage ist ebenso einfach und erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Kommen wir nun aber zum Einbau von separaten Karten.
Um eine AGP- oder PCI-Karte einzubauen, muss lediglich der Gehäusedeckel entfernt werden. Danach werden die zwei Schrauben auf der Rückseite gelöst, die die Verriegelung fixieren. Jetzt kann man die gewünschten Karten montieren. Danach einfach wieder die Verriegelung verschrauben und schon ist der Einbau beendet. Das ist sehr gut und einfach von Shuttle gelöst worden.
Im Lieferumfang haben wir es schon angesprochen: Shuttle liefert spezielle IDE-Kabel mit. Das kürzere der beiden Kabel ist ein normales UDMA66-Kabel (80 Adern) - jedoch so kurz, dass es nur für die Befestigung der Festplatte reicht. Schade ist, dass Shuttle hier kein sogenanntes Air-Flow-Kabel verwendet hat; das würde dem Luftfluss in dem kleinen Gehäuse zusätzlich zu Gute kommen. Bei dem zweiten IDE-Kabel ist das jedoch anders. Es handelt sich hierbei um ein relativ langes, mehrlagiges, aber nur etwa 1,5 cm breites Kabel. Dieses lässt sich problemlos an den dafür vorgesehenen Halterungen verlegen und verschwindet quasi in einer der Längsstreben. Das ist gut gelöst von Shuttle. Leider ist aber der Abschnitt zwischen Slave- und Masterstecker wieder in normaler Breitbandkabelform, schade.
Auch die Front ist abnehmbar. Hierzu muss man die an der Vorderseite platzierten Inbusschrauben entfernen und kann dann die Alufront entfernen. Leider besteht nur die vordere Platte aus Alu, der Rest der Front ist aus Plastik. Die Frontplatte ist jedoch austauschbar und Shuttle bietet einiges an Zubehör dazu an.
Ingesamt ist die Montage des Systems sehr durchdacht. Beim Aufbau hätten wir jedoch gerne auf die USB 2.0-Kabel verzichtet, da sie viel Platz in Anspruch nehmen und beim Einbau sehr stören. Kommen wir nun aber zu dem Herz des SB65G2, dem FB65-Mainboard.
Shuttle FB65 Mainboard
Viele Features haben wir schon besprochen, die zum Teil auch zur Beschreibung des Mainboards hätten gehören können. Jetzt befassen wir uns aber detaillierter mit der Hauptplatine des SB65G2.
Kommen wir zunächst zum Layout des Boards. Das FB65 ist in Small Factor Form (SFF) produziert, ein spezielles Format, was unseres Wissens nach nur in Barebones zum Einsatz kommt. Mittlerweile gibt es das SB65G2 auch in Mini-ATX-konformer Ausführung. Der CPU-Sockel ist mittig platziert, was aufgrund der Architektur auch nicht anders geht. Die beiden RAM-Bänke sitzen ein Stück weiter vorne, direkt unter dem Käfig. Zwischen CPU und RAM-Bänken befindet sich die Northbridge, links daneben die Southbridge. Alles liegt relativ eng zusammen, umso erstaunlicher, was Shuttle noch so alles auf dem Board untergebracht hat. Die IDE-Anschlüsse liegen am vorderen Rand des Boards, etwas ungünstig in Hinblick auf das Verlegen der Kabel. Der Floppy-Port hingegen befindet sich auf der rechten, hinteren Ecke, direkt neben dem Netzteil. Auch befindet sich hier der gesockelte BIOS-Chip, der im Gegensatz zu einer gelöteten Variante einen Austausch zulässt.
Direkt unter dem Netzteil befinden sich die Spannungswandler. Shuttle hat sich bei dem Desgin der Stromversorgung für eine Drei-Phasen-Stromversorgung entschieden. Die Spannungswandler werden zudem von einem Temperatursensor überwacht, der über das BIOS ausgelesen wird - eine durchdachte, gute Lösung.
Wechseln wir die Seite und schauen an den linken Rand des Boards. Hier befinden sich vorne die S-ATA-Anschlüsse, die gut zu erreichen sind. Ebenso gut ist der BIOS-Reset-Jumper zu erreichen. Direkt daneben liegen der AGP- und der PCI-Port.
Als Onboard-Soundchip setzt Shuttle auf den Realtek ALC650, der sechs Kanäle ansteuern kann. Wie er sich schlägt, haben wir weiter unten bei den Benchmarks getestet. Als Firewire-Chip kommt der VIA VT6307 zum Einsatz. Er ist für den 6-poligen Anschluss auf der Rückseite sowie den 4-poligen Anschluss an der Front zuständig. Als letzter wichtiger Chip wäre noch der Realtek RTL8100B für das 10/100 Mbit LAN zu nennen.
Insgesamt kann man sagen, dass Shuttle eine Menge toller Features auf dem knapp 0,05 m² großen Siliziumstück verbaut hat. Was die Komponenten wirklich leisten, erfahrt Ihr im Abschnitt, der sich mit den Benchmarks beschäftigt.
BIOS
Als Test-BIOS spielten wir das FB65s00c auf den BIOS-Chip. Es handelt sich hierbei um ein gesockeltes BIOS der Firma Phoenix. Wir sind die einzelnen Punkte im BIOS nacheinander durchgegangen. Insgesamt fiel das BIOS nicht negativ auf, tat sich aber auch nicht durch besondere Einstellungen hervor.
Interessant ist der sogenannte Combined-Mode im Bereich "Integrated Peripherals". Hier kann man entweder beide P-ATA-Ports aktivieren, einen P-ATA- und einen S-ATA-Port oder beide S-ATA-Ports. Es konnten zudem alle Onboard-Chips deaktiviert werden, was sehr positiv ist.
Insgesamt ist das BIOS nicht ganz so umfangreich wie z.B. das des Abit NF7-S Rev. 2.0, dennoch enthält es alle wichtigen Einstellungen.
Testsystem
Für die Benchmarks haben wir das System standardmäßig auf 200 MHz FSB laufen lassen. Es war wie folgt aufgebaut:
Hardware:
- CPU: Pentium 4C mit 2,6 GHz / 800 MHz FSB
- RAM: 2 x 512 MB Twinmos Winbond BH-5 CL2.5
- Grafikkarte: Club3D Radeon 9700
- Festplatte: Samsung SP1614C S-ATA
- Netzteil: SilentX 250 W
Software:
- Windows XP SP1
- ATi Catalyst 4.1
- DirectX 9.0b
Wie schon erwähnt schickten wir das System mit dem Standard-FSB von 200 MHz (800 MHz Quad-Pumped) auf unseren Benchmarkparcours. Zum Vergleich eignet sich sehr gut die auch schon im Abit NF7-S Rev. 2.0 erwähnte Hardwareluxx-Datenbank. Sie bietet einen reichhaltigen Überblick über jegliche Art von Hardware. Die Benchmark-Auswahl ähnelt der von den Hardwareluxx-Tests, damit man einen einigermaßen guten Vergleich hat.
Benchmark: Onboard-Sound-Chip
Neu in unseren Tests ist das Benchmarken mit dem RightMark Audio Analyzer, der einen Vielzahl von Tests mit dem onboard verbauten Audio-Chip durchführt.
Als erstes ist aber interessant, wie stark der Realtek ALC650 die CPU belastet. Dazu testeten wir Quake 3 mit der demo001 zuerst mit deaktiviertem Sound und danach jeweils mit "low quality"- und "high quality"-Sound.
Hier die Ergebnisse. Wie man erkennen kann wird erst beim Zuschalten des 22 kHz-Sounds die CPU-Performance etwas reduziert, mit ~6 % allerdings auch nicht übermäßig stark.
Kommen wir als nächstes zum Test mit dem Programm RightMark Audio Analyzer. Es erzeugt ein Signal, das über den Line-Out ausgegeben und durch den Line-In wieder eingefangen wird. Hierbei testet das Programm das Signal auf allerhand Qualitätsmerkmale, unter anderem auch die Verzerrung und den maximalen Schalldruck. Das Ergebnis:
Detaillierter ist hier die vom Programm automatisch generierte Ergebnis-Seite. Man sieht, dass die Verzerrung des Signals ziemlich stark ist. Sehr schade, denn in den anderen Kategorien leistet sich der Chip keinen Patzer. In der Praxis fiel auf, dass man beim Anschluss an das Frontpanel unangenehme Störgeräusche z.B. beim Zugriff auf die Festplatte oder das CD-ROM-Laufwerk hörte. Anscheinend reicht die Abschirmung der Kabel intern trotz der dicken Isolierung noch nicht aus.
Spiele: Quake 3, Comanche 4, UT 2004
Kommen wir als nächstes zu den Gamebenchmarks. Wir haben uns für zwei etwas ältere, Quake 3 und Comanche 4, als auch für den gerade erschienen Unreal Tournament 2004 Benchmark entschieden.
Als erstes gucken wir uns Quake 3 in drei verschiedenen Detailstufen an. Für die verwendete Radeon 9700-Grafikkarte ist Quake 3 auch in höheren Auflösungen eine nicht allzu große Anforderung, und so kann man hier sehr gut die Performance des Mainboards nachvollziehen.
Als nächstes ist der Comanche 4 Benchmark an der Reihe. Hier ist quasi kein Unterschied, was die Leistung angeht, zwischen den Auflösungen vorhanden.
Und zu guter Letzt der neue UT2004 Benchmark:
Hier merkt man deutlich, dass es sich um ein neues Spiel handelt, das der Grafikkarte mehr abverlangt. Hier hilft es nur mit ähnlichen System zu vergleichen damit man einen Anhaltspunkt hat, was das Board leistet. Ein Blick auf andere Tests zeigt, dass sich das FB65 im Bereich anderer I865PE-Systeme ansiedelt - nicht anders als erwartet.
Rendering: Cinebench 2003, SpecviewPerf
Beim Rendern wird vor allem die CPU beansprucht, trotzdem spielt auch das Mainboard eine Rolle. Deswegen haben wir das FB65 mit Cinebench 2003 und SpecviewPerf gebencht. Hierbei testet Cinebench 2003 im Gegensatz zu SpecviewPerf nicht nur das Rendering, sondern enthält auch Videoediting-ähnliche Benchmarks.
Zuerst der Cinebench 2003:
Hier die Ergebnisse des SpecviewPerf Benchmarks, der CPU-lastiger ist als der obere Test:
Kommen wir nun zum letzten Abschnitt, der noch einen 3D-lastigen Benchmark und einige Benchmarks aus dem Hause SiSoft enthält.
SiSoft Sandra, DroneZmark
Als letztes haben wir das System mit einem der am häufigsten verwendeten Tools SiSoft Sandra in der Version 2004 getestet. Zum einen haben wir quasi als Pflicht-Benchmark die CPU getestet und danach den Datendruchsatz, den der Speichercontroller der Northbridge schafft. In dieser Disziplin gilt der I865PE quasi als Vize-König knapp hinter dem I875P. Hierbei ist zu beachten, dass Sandra 2004 das System nicht wirklich testet, sondern auf Basis von Systemdaten die Leistung errechnet. Zuerst der CPU-Benchmark, der nur als kleine Randinformation gelten soll:
Hier die Ergebnisse des Memory Bandwith Benchmarks:
Als letzter Benchmark kam der DroneZmark zum Einsatz:
Im Vergleich mit anderen Tests liefert das FB65 eine solide Leistung und leistet sich keinerlei Patzer.
Overclocking
Dieser Abschnitt des Tests scheint eigentlich nicht sinnvoll könnte man meinen. Denn ein enges Gehäuse, in dem die wärmeproduzierenden Komponenten quasi aufeinander liegen, und der Wunsch nach einen zudem leisen System sind nicht gerade die besten Vorraussetzungen für eine Übertaktung. Dennoch haben wir uns auch daran versucht, denn sowohl der I875P als auch der I865PE gelten in vielen Foren im Internet als die Übertakter-Chipsätze schlechthin. 250 MHz Frontside-Bus und mehr sind keine Seltenheit. Wer ein Blick auf die Spezifikationen des BIOS wirft, kann erkennen, dass speziell beim RAM nicht sehr viel zu erwarten sein dürfte, da das Mainboard nur einen VDIMM bist 2,75 V anbietet. Einige Overclockermodule sind jedoch bis 2,9 V freigegeben.
Wir wagten uns zuerst in Schritten von 10 MHz nach oben. Das Board bootete bei 260 MHz FSB immer noch, bei 270 MHz FSB hingegen nicht mehr. Die höchste Frequenz, mit der wir Windows starten konnten, lag bei sagenhaften 265 MHz FSB. Leider waren jedoch Frequenzen über 235 MHz unter Belastung nicht stabil (prime95), was aber auch an der CPU, dem Speicher und/oder dem Netzteil liegen könnte. Auch die passiv gekühlte Northbrigde ist nicht auszuschließen. Da wir dies aber nicht genau prüfen können, machen wir keine Aussage dazu, sondern vermerken 235 MHz als höchste, stabile Taktung. In anderen Tests erreichte der SB65G2 stabile Taktungen über 250 MHz, ein klasse Ergebnis.
Einige Dinge müssen jedoch beachtet werden: Die passiv gekühlte Northbridge wurde bei unseren Tests bis zu 52 °C heiß, die CPU wurde mit einer Lüfterleistung von 5 % im Speedfan maximal 54 °C. Das alles sind noch akzeptable Werte, allerdings sollte man sich bewusst sein, dass diese Werte sehr weit oben in der akzeptablen Temperaturskala liegen und somit nicht mehr viel Spielraum ist, z.B. für heiße Sommertage oder stickige LAN-Partys. Zudem ist noch zu beachten, dass die benötigten DDR-500 oder höheren RAM-Module, wie schon oben erwähnt, meist eine Spannung von mehr als 2,8 V brauchen, wenn man den Speicher synchron zum FSB takten möchte.
Fazit
Kommen wir nun zu unserem Fazit über den Shuttle SB65G2. Der Trend geht eindeutig zu kleinen, leisen und leistungsstarken PCs. Dass der SB65G2 diese Anforderungen fast komplett erfüllt, hat man in unserem Test gesehen. Gehen wir nun etwas genauer auf die Einzelheiten ein. Über Geschmack lässt sich bekannterweise nicht streiten und so kann man Shuttle ein Kompliment für das Design machen. Der SB65G2 ist schlicht gehalten, das schwarz eloxierte Alu mitsamt der Front macht einen edlen Eindruck. Die Taster halten leider nicht ganz das, wonach sie aussehen, aber das tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Die Demontage ist auf Grund der Architektur etwas komplizierter als bei einem gängigen Desktop-PC, dennoch geht sie mit etwas Übung leicht von der Hand, auch wenn die Demontage der Laufwerke etwas nervt.
Aber nicht nur im Aussehen konnte der SB65G2 überzeugen, denn es kommt schließlich vor allem auf die inneren Werte an. In den Benchmarks reiht sich das FB65-Mainboard in den I865PE-typischen Regionen ein. Hierbei ist zu beachten, dass der I875P (im Shuttle SB75G2 verbaut) in allen Tests großer Hardwareseiten nur maximal 3 % schneller ist als sein kleiner Bruder, der I865PE. Der verbaute Sound-Chip erfüllt seinen Zweck, reicht aber noch nicht ganz an aktuelle Slot-Soundkarten heran. Man darf gespannt sein, was die Zusammenarbeit von Intel und Dolby in Hinsicht auf die Grandsdale- und Alderwood-Chipsätze bringen wird, welche wahrscheinlich auf der Cebit als Pre-Samples zu sehen sein werden.
Auch der Aufbau des Mainboards ist gut durchdacht und für den zur Verfügung stehenden Raum perfekt umgesetzt. Der wichtige BIOS-Reset-Jumper ist sehr gut zu erreichen, einzig das Wechseln der Speicherriegel gestaltet sich etwas aufwendiger.
Überrascht waren wir sowohl von den Übertaktungsmöglichkeiten, als auch von gut durchdachten Kühlungs-Lösung. Beim Übertakten hat der SB75G2 sicher etwas die Nase vorne, da er eine aktiv belüftete Northbridge besitzt. Dieses Feature wäre jedoch leicht nachrüstbar. Als sehr großen Vorteil beim Übertakten zeigt sich der bis 1,8 setztbare Vcore (SB75G2 nur bis 1,575 V!). Mit Highend-Speicherriegeln und einer guten CPU sind die 250 MHz FSB sicherlich stabil zu schaffen, einzig das Netzteil könnte hierbei Grenzen setzen, der Chipsatz ist da gütiger.
Die zweite Überraschung, die gut durchdachte Kühlung, hat selbst mich als Wasserkühlungsfanatiker beeindruckt. Durch Verbannung/Drosselung der Lüfter im System bekommt man ein leises und kühles System, einzig der vorhandene Netzteillüfter ist eine Katastrophe und es bedarf dringend einer Änderung, will man den Tinitus nicht nach wenigen Tagen als täglichen Begleiter im Ohr begrüßen dürfen ...
Abschließend ist zu sagen, dass der SB65G2 in jedem Fall eine Empfehlung wert ist - die marktüblichen 330 €, die man dafür auf den Tisch legen muss, sind gut investiertes Geld. Man bekommt dafür nicht nur einen klasse aussehendes Gerät, das ein echter Hingucker ist - auch die Performance und das Übertaktungspotential heben sich positiv hervor. Das 11 Mbit/s WLAN-Dongle wertet das System weiter auf und verlockt noch mehr dazu, sich den Barbone kurz unter den Arm zu klemmen und eine kleine LAN-Party beim Nachbarn zu starten.
Positiv:
- schickes Design
- sehr kompakt
- Leistungsstark
- hohes Übertaktungspotential
- sehr leicht
- hochwertige Materialien
- passive Northbridge-Kühlung
Negativ:
- störend lautes Netzteil
- Sound-Performance nur Mittelmaß
Der Shuttle SB65G2 erhält die Empfehlung der modforge.de-Redaktion.