Grafikkarten Tweaking Guide 1 (ATi Radeon)
Der ATi-Tweaking-Guide ist der erste Teil einer Reihe, die sich mit dem Übertakten und der passenden Kühlung von Grafikkarten verschiedenster Chips befasst. In diesem Teil widmen wir uns der Radeon-Serie von ATi.
Veröffentlicht am 02. Februar 2004 von Sören.
Einleitung
Diese Artikelreihe soll sich ausführlich mit dem Tunen aktueller Grafikkarten befassen. Der erste Teil dieser Serie setzt sich besonders mit den Grundlagen und dem optimalen Übertakten von Grafikkarten mit Chipsätzen von ATi auseinander. Dieser Teil der Anleitung befasst sich nur mit der Übertaktung per Software und es bedarf keiner Modifikation der Hardware. Doch auch mit diesem Thema werden wir uns beschäftigen, allerdings in einem der nächsten Teile dieser Serie.
Wir weisen darauf hin, dass wir keine Garantie für den Erfolg der Übertaktung geben können, ebenso erfolgt das Übertakten auf eigene Gefahr. Wir übernehmen keinerlei Haftung für defekte Hardware oder sonstige Schäden. Nun aber viel Spaß beim Lesen.
Grundlagen
Zunächst möchte ich ein wenig auf die grundlegensten Dinge eingehen. Aktuelle Grafikkarten verfügen über einen Prozessor, Grafik- oder auch Visual-Prozessor genannt. Diese VPU (Visual Processing Unit) arbeitet ähnlich wie eine CPU (Central Processing Unit - der Hauptprozessor) mit einem bestimmten Takt. Dieser wird meist in der Einheit "MHz" (MegaHertz) angegeben. Der Takt steht in direktem Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit des Chips, ist jedoch nicht allein maßgebend dafür.
Ein Beispiel: Eine R300 VPU (Radeon 9700) etwa, welche mit "nur" 325 MHz getaktet wird, ist um Längen leistungsfähiger als eine RV360 VPU (Radeon 9600 XT), auch wenn diese mit 500 MHz um einiges höher getaktet ist. Dies hat viele Gründe. Einer der wichtigsten Punkte liegt in den so genannten Pixel-Pipelines. Die Anzahl dieser Pipelines entscheidet mit darüber, wieviele Pixel eine VPU maximal berechnen kann. Die maximale "Füllrate" berechnet man einfach indem man den Takt einer VPU mit der Anzahl der Pipelines multipliziert (325 MHz x 8 Pipelines = 2600 Mpixel/Sek.). Dieser Wert gibt schon eher die Leistungsfähigkeit einer VPU an. (R300 mit 325 MHz = 2600 Mpixel/Sek., RV360 mit 500 MHz = 2000 Mpixel/Sek.).
Ein weiterer wichtiger Faktor für die Geschwindigkeit der gesamten Grafikkarte ist der Speicher und dessen Anbindung. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Der Speicher einer Radeon 9700 Pro (R300) ist mit 310 MHz getaktet, der einer Radeon 9600 XT (RV360) mit 300 MHz. Trotzdem ist der Speicher der Radeon 9700 Pro mehr als doppelt so leistungsstark wie der Speicher der Radeon 9600 XT. Dies liegt an der Speicheranbindung. Während die Radeon 9600 XT mit einem 128 Bit-Bus (9600 MB/Sek.) auskommen muss kann die Radeon 9700 Pro auf einen breiteren 256 Bit-Bus (19840 MB/Sek.) zurück greifen.
Hebt man nun den Takt der VPU oder des Speichers an, so steigt auch die Leistungsfähigkeit der gesamten Grafikkarte. Trotzdem ist der Takt nicht alles was zählt. Bei den Taktfrequenzen des Speichers verwenden wir immer den realen Takt und nicht den effektiven (DDR-)Takt, wie es ganz gerne die Platinenhersteller tun.
Leistung von Radeon-Grafikkarten
Nachdem wir nun die allerwichtigsten Basics erklärt haben, werden wir kurz veranschaulichen, wie der Takt einer VPU eigendlich zu Stande kommt. Der Chiphersteller produziert nicht eine VPU die z.B. mit 300 MHz laufen soll, er kann an Hand einiger Faktoren (wie z.B. dem Fertigungsprozess sowie der Anzahl der Transistoren) schon vorher abschätzen, mit welchem Takt die Chips im Durchschnitt laufen werden. Allerdings ist der maximale Takt jeder einzelnden VPU ein anderer. Nun testet der Hersteller die Chips, ob sie bei bestimmten Bedingungen korrekt bei bestimmten Frequenzen arbeiten. Die gestesteten Chips werden dann nach Qualität bzw. erreichtem Takt selektiert. Nun kann es aber sein, dass eine VPU mit 390 MHz gerade noch gut läuft, aber der Hersteller nur die Frequenzen 300 MHz und 400 Mhz getestet hat und diese dann dem entsprechend als 300 MHz VPU verkaufen wird. Natürlich kann der User den Takt der VPU seiner Grafikkarte wieder auf 390 MHz anheben.
Des Weiteren muss man bedenken, dass der Hersteller die Karten unter für eine VPU recht ungemütlichen Bedingungen testen und zudem Toleranzen einrechnen muss, um sicher zu stellen, dass seine VPU auch unter schlechtesten Bedingungen wie z.B. in einem verstaubten, schlecht belüfteten Gehäuse einwandfrei arbeitet. Die Bedingungen in einem einigermaßen gepflegten System sehen natürlich um einiges besser aus, was der Übertaktbarkeit weiterhin zu Gute kommt. Es gibt auch Mittel und Wege anhand derer man die Übertaktbarkeit seiner Grafikkarte weiter steigern kann, etwa durch das Montieren einer stärkeren Kühlung oder das Anheben der Spannung von VPU und Speicher.
Beim Speicher sieht es hingegen ein wenig anders aus. Dieser wird vom Hersteller auf seine Zugriffszeit getestet und kann daher besser selektiert werden. Die Zugrifszeit der Speicher wird in "ns" (Nanosekunden) angegeben. Ein Speicher, welcher eine Zugriffszeit von 4 ns hat, ist für einen Takt von 250 MHz ausgelegt (1000/4 ns = 250 MHz). Hier sind die Toleranzen geringer, jedoch verbauen die Grafikkartenhersteller oftmals Speicher auf ihren Karten, den sie nicht vollständig ausreizen. So geht eine Radeon 9700 Pro etwa mit einem 2,86 ns-Speicher an den Start, welcher für 349 MHz ausgelegt ist, aber vom Hersteller nur mit 310 MHz getaktet wird. In einem solchem Fall hat man noch gute Chancen, etwas Leistung aus dem Speicher zu kitzeln. Über die Spezifizierung des Speichers hinaus ist oftmals aber nur wenig Luft.
Wie man sieht, spielen für die Übertaktbarkeit einer Grafikkarte sehr viele Faktoren eine Rolle. Sicher ist jedoch eines: Übertakten ist zum großen Teil Glückssache.
Benötigte Software
Nun aber genug der Theorie. Um eine Grafikkarte mit ATi Radeon-Chipsatz sinnvoll zu übertakten, braucht man nur folgende Mittel:
- Rage 3D Tweak (ein sehr umfangreiches Tuning-Tool für ATi Karten)
- ATi Tool (ein sehr einfaches Tool um die Stabilität einer Grafikkarte zu testen
- den aktuellen Catalyst-Treiber (der ATi Radeon-Referenztreiber)
- eine Grafikkarte mit ATi Radeon-Chipsatz (in unserem Fall eine FIC Radeon 9800 Pro mit 128 MB)
Als erstes bitte die genannte Software installieren, dann kann es auch schon losgehen.
Das Übertakten per Software (1)
Nach der Installation der Tools geht man am besten wie folgt vor:
Das ATi-Tool starten, so dass sich zwei Fenster öffnen. Das linke Fenster zeigt eine Echtzeit-3D-Berechnung der Grafikkarte. Dieses Fenster enthält zwei Schieberegler, welche für den VPU-Core- und Speichertakt zuständig sind (bei unserer Radeon 9800 Pro beträgt dieser 380/340 MHz VPU-/Speichertakt). Des Weiteren befinden sich am linken Rand noch mehrere Buttons für das Ermitteln des maximalen VPU- sowie des Speichertaktes. Am oberen Rand wird die aktuelle Taktung angezeigt.
Nun muss man auf den Button "Find max. Core" klicken. Das Programm beginnt daraufhin den Takt der VPU zu steigern bis diese anfängt, Fehler zu produzieren. Sobald dies der Fall ist, wird der Takt wieder herunter gesetzt.
Wenn sich das Tool bei einer Frequenz eingependelt hat und nach etwa 10 Minuten im linken 3D-Fenster die "No Error for"-Anzeige die 10-Minuten-Marke überschritten hat, kann man sich die Frequenz notieren, die das Tool ermittelt hat (in unserem Fall kamen wir auf 430 MHz).
Genau so geht man beim Speicher vor, nur dass man dafür logischerweise den "Find max. Mem"-Button drücken muss (hier haben wir mit unserer Radeon 9800 Pro einen Takt von 370 MHz erreicht).
Nun muss man die ermittelten Werte anhand der Schieberegler in das rechte Fenster eintragen. Optimalerweise sollte man den notierten Wert abzüglich 5 MHz eintragen, um nach oben hin einen Puffer zu schaffen. Danach den Button "Set Clock" drücken. Das Programm setzt dann die Frequenz. Anschließend muss man "Scan for Artifacts" auswählen. Das Programm überprüft, ob mit der jetzigen Taktung Fehler auftreten. Der Test muss länger als 10 Minuten (optimale Zeit: 30 Minuten) laufen, ohne einen Fehler zu verursachen. Andernfalls läuft die Karte nicht stabil und der Takt muss herunter gesetzt werden.
Vor dem Verlassen des Programmes den Button "Default" drücken, um alle Settings in ihren ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen.
Das Übertakten per Software (2)
Nachdem wir die maximalen Frequenzen von VPU und Speicher ermittelt haben, gilt es auch diese in unser eigentliches Overclocking-Tool einzutragen und so zu konfigurieren, dass diese uns auch nach einem Neustart erhalten bleiben.
Dazu öffnen wir den ATi Treiber (Systemsteuerung → Anzeige → Einstellungen → Erweitert). Wenn dieser und das Rage 3D-Tweak-Tool richtig konfiguriert sind, sollte man dort nun die Kartei "Overclocker" aufrufen können.
Um die Frequenz zu setzen, schieben wir die Regler einfach so lange nach rechts bis der gewünschte Takt erscheint. Zum Setzen des Taktes drücken wir nun einfach "Übernehmen". Um den Takt jedoch dauerhaft zu verstellen, muss das "Reset Profile" editiert werden. Dazu einfach einmal auf "Reset" klicken. Hinter dem VPU- und dem Speichertakt müssten nun ebenfalls "(Reset)" aufgetaucht sein.
Wenn das der Fall ist, müssen wir den Regler einfach wieder auf die gewünschte Frequenz schieben und abermals "Übernehmen" drücken. Wenn nun im "Reset Profile" der gewünschte Takt steht, ist alles korrekt abgelaufen und die Karte läuft nun dauerhaft mit diesen Werten. Hiermit haben wir die Grafikkarte erfolgreich übertaktet.
Fazit
Ich hoffe wir konnten euch einen kleinen Einblick in die Welt des Grafikkarten-Tunings und Overclockings ermöglichen. Weitere Artikel dieser Reihe werden in einigen Wochen folgen.
Abschließend möchte ich noch anmerken, das wir keinerlei Haftung für defekte Hardware oder sonstige Schäden übernehmen. Durch Übertaktung läuft die Hardware außerhalb ihrer Spezifikationen, was immer ein gewisses Risiko in sich birgt.